Harvestehude – zwischen Grindelhochhaus und Alstervilla

Wenn die Roten Doppeldecker ihre Bahnen mit den Touristen durch die Hansestadt ziehen, gehört auch Harvestehude zu den Zielen, die regelmäßig angesteuert werden. Kein Wunder, denn Harvestehude gehört mit Sicherheit zu den Stadtteilen, die keinen Besucher unbeeindruckt lassen. Noble Villen, prächtige Vorgärten und luxuriöse Automobile reihen sich hier dicht an dicht. Aber Harvestehude hat auch eine andere Seite, die ein wenig abseits der Touristenroute liegt. Zwischen Hallerstraße, Grindelberg und Oberstraße ragen einige Gebäude empor, die sich mit den restlichen Bild des Stadtteil nicht so ganz in Einklang bringen lassen.   

Wohnen, wo Hamburg am teuersten ist

Beginnen möchte ich meinen Rundgang aber an der Alster, am Harvestehuder Weg, der nördlich der Alsterchaussee vom Stadtteil Rotherbaum in Harvestehude übergeht. Hier, wo ein Quardratmeter Grundstück in etwa soviel kostet wie ein gut ausgestatteter Kleinwagen, residieren einige der wohlhabendsten Bürger Hamburgs. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bauten hier reiche Hamburger Familien ihre Landhäuser und Sommerwohnsitze entlang des Wegs zum ehemaligen Kloster Harvestehude.   Dass dieses wunderschöne Areal nicht ausschließlich Hamburgs High-Society zur Verfügung steht, haben die Hamburger Bürger wohl in erster Linie ihrem ersten Nachkriegsbürgermeister Max Brauer zu verdanken. Der SPD-Bürgermeister hatte im Senat durchgesetzt, dass die Flächen an der Nordwest-Seite der Alster, die bis dato zu den Villen am Harvesterhuder Weg gehörten, gegen eine Entschädigung vollständig enteignet wurden. Mit Blick auf die internationalen Gartenausstellung, die 1953 in Hamburg stattfinden sollte, wurde nun das Areal mit Kirschbäumen, Kunstskulpturen und weißen Alstersesseln geschaffen, das Hamburger und Touristen heute gleichermaßen schätzen.

Historische Hochhäuser am Grindelberg

Einige hundert Meter von der Alster entfernt strebt ein denkmalgeschütztes Ensemble von zwölf Hochhäusern zwischen den Straßenzügen Grindelberg, Hallerstraße, Bahmsallee und Oberstraße in den Hamburger Himmel. Die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg hatten an dieser Stelle ein breites Trümmerfeld und kaum nutzbaren Wohnraum hinterlassen. Ursprünglich wurde das Bauvorhaben als „Hamburg Projekt“ von den britischen Besatzungstruppen als Hauptquartier geplant. Mit der Verlegung des Sitzes nach Frankfurt lag die Baustelle bis 1948 dann aber fast zwei Jahre still. Dann entstanden zwölf Hochhäuser mit acht bis 15 Geschossen mit insgesamt 2.122 für Rund 5.400 Bewohner. Auch das Bezirksamt Eimsbüttel bezog hier ein Gebäude am Grindelberg 62-66.

Je nachdem welchem Medium man glauben schenken mag, sind die Grindelhochäuser heute „Kult“ (NDR) oder  ein „Versteck für Kriminelle“ (BILD) in denen Drogen und Gewalt an der Tagesordnung sind. Mir kam das Viertel auf meiner kurzen Visite alles andere als gefährlich vor auch wenn ich leider keinen Blick in das Innere der Hochhäuser werfen konnte. Die Menschen, die mir begegneten, trugen eher ein Lächeln auf den Lippen als ein Messer zwischen den Zähnen.

Auf Sendung in Harvestehude

 

Großes Tennis am Rothenbaum

Unweit des Harvestehuder Weges zwischen Rothenbaumchaussee und Mittelweg steht das größte Tennisstadion Deutschlands. Seit mehr als 120 Jahren ist die Tennisanlage "Am Rothenbaum" der Austragungsort der internationalen deutschen Tennismeisterschaften und somit einer der Treffpunkte für Spitzentennis in Europa. Von Gottfried von Cramm und Rod Laver über Ivan Lendl und Michael Stich bis zu Rafael Nadal und Roger Federer trugen sich hier die größten ihrer Zeit in die Siegeslisten ein. Wie lange diese Tradition allerdings noch fortgesetzt wird ist indes nicht sicher. Die letztmals 1997 erneuerte Anlage mit dem fahrbaren Dach ist mittlerweile in die Jahre gekommen und der Organisator des Turniers - der Hamburger Michael Stich - hat die Lizenz für die Austragung der German Open an einen Mitbewerber abgeben müssen. So ist es nicht unmöglich, dass die lange Tradition des Spitzentennis am Rothenbaum im Jahr 2019 ein Ende hat und das Turnier in eine andere Stadt verlegt wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.